“ Thallwitz/Nischwitz. Es ist viel schlimmer, als anfangs gedacht: „Wenn nicht bald etwas passiert, wird der Schlosspark Nischwitz ein für alle Mal verloren sein.“ Thomas Pöge gehört wahrlich nicht zum Menschenschlag, der gern dramatisiert. Doch nach dem jüngsten Vororttermin mit Vertretern der Kreisbehörde, des Landesdenkmalamtes, dem Landschaftsplaner Christian Köhler aus Grimma sowie der Schlosseigentümerin Jutta Neubronner schlägt der Thallwitzer Bürgermeister Alarm.

Bereits Ende Oktober 2019 musste die Gemeinde die öffentlich zugängliche Parkanlage sperren. Grund dafür: Circa 150 Bäume, vor allem Ahorne, wiesen Pilzbefall auf – die Rußrindenkrankheit. Die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre hatte die Bäume so sehr geschwächt, dass ihre Abwehrkräfte versagten. Pöge: „Wir nehmen die Sache sehr ernst, zumal die schwarzen Pilzsporen auch für Menschen gesundheitsschädlich sein können.“ Gefahr gehe außerdem von herunter stürzenden Ästen oder größeren Rindenstücken aus.Wie sich jetzt zur aktuellen Besichtigung ergab, sei der schlechte Zustand der Parkanlage noch gravierender. „Selbst alte Buchen und Eschen zeigen mittlerweile Folgen des Wassermangels, insbesondere die Bestände um das historische Mausoleum“, fasst Pöge das Ergebnis der Begutachtung zusammen. Alles in allem schätzen die Fachleute den Verlust auf nunmehr weit über 250 Bäume. Allein dadurch bestehe mehr denn je akuter Handlungsbedarf in den nächsten ein bis zwei Monaten, ansonsten sei mit hoher Wahrscheinlichkeit das Kulturdenkmal verloren.„Ich sehe deshalb den Freistaat in der Pflicht“, betont der 50-jährige Gemeindechef. Zumal der Aufwand für die Rettungsaktion die finanziellen Möglichkeiten der Schlossbesitzerin sowie der Kommune übersteige. Pöge schätzt die Höhe der Kosten derzeit auf 300 000 bis 500 000 Euro. Als problematisch, so der Thallwitzer Bürgermeister, würden sich ebenfalls die Arbeiten der Baumspezialisten gestalten. Zum einen aufgrund der hohen Anzahl des Totholzes und zum anderen, da der Park nicht überall den Einsatz von benötigter Forsttechnik zulässt. Darüber hinaus müssten gesunde Bäume zurückgeschnitten, die kranken gesondert entsorgt und neue gepflanzt werden. „Die Zeit drängt. Denn jede Woche, die verstreicht, verringert die Chance zur Rettung des Schlossparkes Nischwitz.“Unterstützung erhält Pöge mit seinem Appell unter anderem von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt. Demnach verfasste die zuständige Mitarbeiterin Katrin Siebert einen „Hilferuf“ an Henrike Schwarz, Referentin für Garten- und Parkanlagen beim Landesamt für Denkmalpflege in Dresden, und betonte darin die überregionale Bedeutung des zehn Hektar großen Areals.Der Schlosspark Nischwitz mit Mausoleum und zwei Teepavillons wurde 1745 bis 1750 vom sächsischen Hofbaumeister Friedrich August Krubsacius (1718 – 1789) nach französischem Vorbild als Rokokogarten angelegt. 1850 erfolgte die Umwandlung in einen englischen Park unter der Regie des Landschaftsarchitekten Gustav Adolf Boehnisch (1802 – 1887). Bis 2010 kümmerte sich der Förderverein-Landschaftspflegeverband „mittleres Muldegebiet“ um die Wiederherstellung der Hauptachse sowie der Gartenhäuser und übernahm ab 2017 auf Wunsch von Schlosseigentümerin Neubronner die Kulturpflege. “